JOANA BATISTA COSTA

MITGRÜNDERIN DES SOZIAL-PASTORALEN ZENTRUMS “ESPERANÇA DE DEUS”
PORTO DO MATO / ESTÂNCIA – SE / BRASILIEN

 

JOANA BATISTA COSTA, Mitgründerin des sozial-pastoralen Zentrums “Esperança de Deus”, wurde am 24.06.1952 in Porto do Mato geboren, im gleichen Szenarium absoluter Armut, in dem auch ihr Volk lebte.

Schon als Kind arbeitete sie und half ihrer Mutter dabei, die zahlreiche Familie mit neun Geschwistern zu unterhalten. Sie fing Krebse, die sie in den Nachbarorten Crasto und Santa Luzia verkauften, die zu erreichen bedeutete, das Haus um 2 Uhr in der Frühe zu verlassen und eine lange Bootsfahrt durch die Mangrovensümpfe auf sich zu nehmen. 

Die Entbehrungen und Prüfungen des täglichen Lebens nicht aushaltend, versucht Joana ihr Schicksal zu verändern und damit auch das Überleben ihrer Familie zu garantieren.

Und sie stellte sich in ihrer kindlichen Fantasie eine Welt der Gerechtigkeit und Gleichheit vor, mit Spielzeug, Freude und Brot für alle diejenigen, die wie sie kein einfaches Leben hatten.

Im Alter von 12 Jahren verliess sie ihr Elternhaus um in Aracaju zu arbeiten. Anfangs erschreckte die grosse Stadt das schüchterne Mädchen mit geringer Schulbildung, das versuchte, sich an die dortigen Gewohnheiten anzupassen, die sich sehr von der Routine unterschieden, die sie in ihrem kleinen Heimatort gewohnt war.
    

Und in ihrer kindlichen Schutzlosigkeit weinte sie oft, voller Sehnsucht nach ihrer Familie und den Freunden, die sie zurück gelassen hatte. Aber ihr Wille, sich selbst zu übertreffen war stärker und so setzte sie ihren Weg fort auf der Suche nach ihrer eigenen Identität und Würde. Nachdem sie einige Zeit in einem Familienhaushalt in der Hauptstadt von Sergipe gearbeitet hat, entscheidet sie sich, in Salvador neue Horizonte zu erschliessen. Und von dort aus setzt sie später ihren Weg fort, via Lastwagen, nach Rio de Janeiro, wo sie sich letztendlich ansiedelt.

Hart arbeitend um ihr tägliches Brot zu verdienen und von ihrem Ideal geleitet, gelang es Joana, ihr Leben zu organisieren und ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Nach und nach holt sie ihre Geschwister nach Rio de Janeiro, damit auch sie, unter ihrer Aufsicht, dort ein besseres Leben beginnen können.  

Sensibel und die fatale Akzeptierung ablehnend, ihre schwierige Lage als Willen Gottes anzusehen, erlebte sie in ihrer eigenen Haut die Rassen- und soziale Diskriminierung, im Besonderen der armen schwarzen Frauen, die sie stetig bekämpfte, wie auch den Machismo in einer von Männern dominierten Kultur. 

Mit schon gesicherter Existenz und reifer in ihrem Ideal, lernte sie 1977 Padre Hubert Leeb kennen, einen österreichischen Missionar, der gerade in Rio de Janeiro angekommen und auf der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld in Brasilien war, wo er seine sozial-pastorale Arbeit leisten könne.
  

Über sein Vorhaben informiert, sprach Joana sofort von ihrem Heimatort und über die Lebensbedingungen ihres Volkes. Das war das, was Pater Hubert Leeb suchte. Sie kamen nach Porto do Mato und der direkte Kontakt mit der dort vorhandenen Realität berührte Pater Leeb zutiefst und bestätigte ihm, dass er jenem Volk seine Mission widmet müsse.

Joana verliess ihr schon etabliertes Leben in Rio de Janeiro und kehrt zu ihren Ursprüngen zurück, um sich an der Seite von Pater Leeb einem Unternehmen zu widmen, welches zu jener Zeit vielen unmöglich zu sein schien.

Eine standfeste und mutige Frau, die sich über jeglichen Pessimismus und jedes Vorurteil hinweg setzte,  die Ärmel hoch krempelte, und zusammen mit Pater Leeb Pionierarbeit zur Veränderung der Region leistete.

Hart arbeitend, ermüdete sie nicht im Kampf und ihrer Entschlossenheit bezüglich der neuen Mission. In jedem Moment war ihre Teilnahme entscheidend für den Aufbau des Zentrums “Esperança de Deus” und die Verwirklichung dieses grandiosen Projektes in einer gemeinschaftlichen und solidarischen Aktion, welches das Leben jenes Volkes an der Atlantikküste verändern sollte.
  

Als Tochter der Region stellte sie Pater Leeb den lokalen Führungspersönlichkeiten wie Zeca de Loya, Claudemiro Francisco und Zé do Baião vor. Und es gelang ihr, die Befürchtungen und das Misstrauen ihres Volkes abzubauen, welches nie zuvor einem weissen Mann gegenübergestellt gewesen war; ein Pater anderer Nationalität, der sich zur Verpflichtung gemacht hatte, die Lebensbedingungen in der Gegend fundamental zu verbessern. Trotz Ungläubigkeit, bedingt durch die wiederholten nicht erfüllten politischen Versprechungen, gelang es Joana, die gesamte Bevölkerung zu mobilisieren und zur aktiven Teilnahme an der Konkretisierung des Projektes zu bewegen.

Weder die Gezeiten, noch lehmige Pfade oder die brennende Sonne hinderten sie daran, ihrem notleidendem Volk Körbe voller Spielzeug, Nahrungsmittel und Medikamente zu bringen. Sie spendete vielen Müttern Trost, die den vorzeitigen Tod ihrer Kinder beklagten, zur jener Zeit, als eine extrem hohe Kindersterblichkeitrate die Gegend heimsuchte. Sie litt unter der Verzweiflung der Ihren.   

Und sie engagierte sich zusammen mit Pater Leeb, mit Aktionen zur Bekämpfung der dringlichsten Probleme bezüglich der Krankheiten, des Hungers und der absoluten Armut, die die Region heimsuchten,  unter Einsatz ihres ganzen Talentes und ihrer Kraft. Intuitiv sah sie eine Lösung für jedes Problem.

Die Bedürftigkeit, die Joana selbst im Laufe ihres Lebens erfahren hatte und die Tatsache, jener Region zugehörig zu sein, trugen wesentlich zu ihrer Bewusstseinsbildung und ihres Charismas bei.
  

Den von Entbehrungen geprägten Teil ihrer eigenen Geschichte wieder erlebend, in dem ihr keine formale Erziehung zu Teil wurde, waren ihr keine Anstrengungen zu viel um den Kindern eine Erziehung zu garantieren. Wie nur Wenige wusste sie Orientierung und Zuneigung zu geben, Mahlzeiten und Medikamente zu verabreichen, Vertrauen und Glauben zu schenken; alles das, was ihrem Volk fehlte.

Die prägenden Merkmale ihrer eigenen Biographie in den Bedürfnissen ihrer Leute wieder erkennend,  verinnerlichte sie die Sorgen und das Drama der einzelnen Personen. Sie kümmerte sich um viele Neffen, darunter Isivaldo, heute 27 Jahre alt.

Für viele war sie die fürsorgliche Mutter. Nicht nur der Kinder, sondern auch der Erwachsenen, die nach materiellem und spirituellem Beistand suchten. Das Bild der Armut von damals hat sich wenig verändert in dem heutigen globalisierten und technologisierten Brasilien.

Joana reiste mehrmals nach Österreich und Deutschland, wo sie die dramatische Situation ihres Heimatortes schilderte, von der sich Viele berührt fühlten. Und erreichte die Unterstützung von neuen europäischen Freunden, die sie wegen ihres Ideals, ihrer Ausdauer und Lebensweisheit bewunderten.

Das ehemals schüchterne Mädchen verwandelte sich, auf der anderen Seite des Ozeanes, vor denWohltätern des Werkes von Padre Leeb in jenem Ländern, in eine unerschrockene Botschafterin ihres Volkes.

Fest im Leben stehende Kämpferin, war Joana Samba-Tänzerin der Sambaschule “Estação Primeira da Mangueira”, auf deren Zugehörigkeit sie stolz war und sie beteilgte sich an jedem Karneval. Aber ihre Arbeit im Dienst des Allgemeinwohls war ihr Lebensinhalt, ihre höhere Berufung.
  

Parallel zum Aufbau des sozial-pastoralen Zentrums “Esperança de Deus” in Porto do Mato, startete Pater Leeb ein weiteres Grossprojekt in Rio de Janeiro, das soziale Gemeinwesenzentrum in der Favela do Vidigal. Und Joana widmete sich auch diesem Projekt mit Körper und Seele und trug wesentlich zu den positiven Ergebnissen der Arbeit bei.

Aber die Pläne Gottes sind Wege, die sich dem Menschen nicht immer offenbaren.

Am 07. Oktober 1990 stirbt Joana, im Alter von 38 Jahren, an den Folgen eines Autounfalls in der Nähe der Brücke, die Rio de Janeiro mit Niterói verbindet.

Joanas Tod war ein unersätzlicher Verlust und grosser Schmerz für alle, denen sie afektiv verbunden und ideologisch verpflichtet war.

Noch heute ist Joana wegen ihres Beispiels von Liebe und Hingabe eine markante Präsenz. Wie ein leuchtender Stern erhellt sie das Zentrum “Esperança de Deus” und stärkt all´ diejenigen, die von ihm unterstützt werden, in ihrem Glauben und ihrem Kompromiss, der Entwicklungarbeit Kontinuität zu verleihen.

Ohne sie wäre Pater Leeb nicht in die Region gekommen.
Durch sie hat sich das Schicksal ihres Volkes verändert, dessen Geschichte jetzt von der Hoffnung, der menschlichen Würde und der sozialen Einbeziehung bestimmt wird. 


Die Mission Joanas ist durch die auf ihrem Grabstein eingravierte “endgültige Verabschiedung” gekennzeichnet: “Ich bin der Armut entflohen und zurück gekommen, um Licht und Leben für mein geliebtes und leidendes Volk zu bringen”.

                                                   
                              Deshalb gebührt ihr die Ehrerbietung und der Beifall der Bevölkerung der Region.

 

Prof. Geovana de Oliveira Lima
promoviert an der Kath. Universität (PUC)
Rio de Janeiro in Psychopädagogik und Sprachen 
Direktorin des Ausbildungszentrum " Licht und Leben P. Leeb" 
Porto do Mato/SE - Brazil