PADRE HUMBERTO LEEB

GRÜNDER DES SOZIAL-PASTORALEN ZENTRUMS “ESPERANÇA DE DEUS”
PORTO DO MATO - SERGIPE – BRASILIEN



“Darum gehet hin und lehret alle Völker.”  Mat. 28,19

 


BIOGRAPHISCHES PROFIL

“Padre Humberto Leeb” (Pater Hubert Karl Josef Leeb), Missionar des Oblatenordens vom Heiligen Franziskus von Sales (OSFS), hat im Zusammenleben mit seiner Familie und durch die Tragödien des II Weltkrieges sehr früh gelernt, dass Menschlichkeit und Solidarität unentbehrliche Werte für den Menschen sind.

Am 20. März 1934 in Österreich geboren, in der gemütlichen Kleinstadt Grieskirchen, im Kanton Oberösterreich mit der Hauptstadt Linz, prägten die Werte eines Lebens im Dienst des Allgemeinwohls zum Aufbau einer gerechten und brüderlichen Gesellschaft seine kindliche Persönlichkeit.
 

Einziger Sohn einer Familie die sich diese Ideale zu Eigen gemacht hatte, formte sich schon im frühen Kindesalter, in jenen schwierigen Jahren, das Profil eines solidarischen Lebens.

Zur Vergangenheit zurück kehrend, erinnert er sich an den Einmarsch der Nazi-Wehrmacht in Österreich und in seiner Heimatstadt, und den Beginn des II Weltkrieges …

Er war Zeuge als seine Eltern, während des Horrors des Krieges, heimatlose Personen aufnahmen und mit dieser Geste das Risiko eingingen, das Überleben der eigenen Familie angesichts der Nazi-Verfolgung zu gefährden. Das Zusammenleben des Knaben Hubert mit seiner grösser gewordenen Familie war von Fürsorge und Anteilnahme geprägt, wodurch der Grundstein für innige und lang anhaltende Freundschaften gelegt wurde ...

Eine der zahlreichen Spuren die jene Zeit hinterliess, ist die Erinnerung daran, dass sein Vater einmal wöchentlich nahrungsmittel vom Bauernhof seines Freundes abholte um die grösser gewordene Familie zu ernähren. Dies geschah in der Stille der Nacht, auch während des kalten europäischen Winters, die Gefahr laufend, von der aggressiven GESTAPO Hitlers überrascht zu werden ...

… Es berührte ihn nachhaltig, mit einem Anflug von Verzweiflung, als seine Mutter fast in ein Konzentrationslager abtransportiert wird, weil sie von der Nazi-Polizei dabei erwischt wurde als sie einer polnischen Frau half, einer Kriegsgefangenen, die Zwangsarbeit in der Umgebung von Grieskirchen leistete …

… Die fanatischen Reden des Führers im Radio, dessen Ton bei den Zuhörern das Gefühl von Panik hervorrief … Und die Angst der Menschen davor, dass sie in jedem Augenblick in eines der nicht weit von seiner Stadt entfernt gelegenen Konzentrationslager eingeliefert werden könnten, wie das von Mauthausen … Nicht zu vergessen die fürchterlichen Nachrichten, die heimlich weitergegeben wurden über die dort praktizierten Greueltaten …

… Er erinnert sich an das Zusammenleben mit den älteren Menschen und die Messen, denen er an geheimen Orten beiwohnte, von Patern zelebriert, die im Visier der Geheimpolizei standen …

… Und die Gebete die er während der sonntäglichen Totenmessen für die Gefallenen an der Kriegsfront in der Kirche seiner Heimatstadt sprach, darum bittend, dass der Krieg aufhöre und er versprach, als seinen kindlichen Beitrag, dass er sein Leben jenen widmen würde, die trauern und leiden, den Hilflosen und Vergessenen …

… Er entsinnt sich mit dem Geschmack der Sehnsucht, an das Wunder, das seine Mutter mit den wenigen Nahrungsmitteln vollbrachte, die für die Ernährung der Familie zur Verfügung standen, und die Aufteilung der Mahlzeiten am Tisch, in gleiche Teile für alle …

Das Leiden und die Angst hatten ein Ende mit der Befreiung seines Landes vom Hitler-Regime, im Jahr 1945, und das Bild, das ihm von der folgenden Zeit in Erinnerung blieb waren die von schwarzen amerikanischen Soldaten besetzten Panzer; etnische Züge, die ihm in seiner Kindheit unbekannt waren …

So wächst Hubert auf und sein Wunsch, ein Apostel der Kirche Jesus Christus zu werden, verstärkt sich immer mehr.
  

In Österreich, in Grieskirchen (1941 – 1949) und an der Oblatenschule des Hl. Franziskus von Sales in Dachsberg (1949 – 1952) beendet er seine Schulausbildung. Danach besucht er das Gymnasium in Ried (1952 – 1956), wo er sein Abitur macht.

Im Kloster der Oblaten des Hl. Franziskus von Sales, in Eichstätt – Deutschland, schliesst er seine religiöse Ausbildung mit dem Philosophie – und Theologiestudium ab (1957 – 1962). Dort wird Pater Leeb am 29.06.1962, im Alter von 28 Jahren, im Einvernehmen mit den herrschenden klerikalen Werten zum Priester geweiht.  
 

Er macht sich das religiöse Ideal des Hl. Franz von Assis zu Eigen, “Hoffnung dahin zu bringen, wo Verzweiflung herrscht”, Gebot von fundamentaler Bedeutung in seinem Leben.

Mit seinem kooperativen, jedoch zielbewussten Stil gründet er 1963 die Bewegung für Missionsberufe (Kreis Junger Missionare – KIM) in Deutschland - mit Sitz in Ingolstadt - und Österreich. Das Ziel des KIM war es: - geistliche und kirchliche Berufe zu fördern, neue pastorale Lebensformen im Bereich der Religion und Liturgie aufzuzeigen, unterstüzt von progressiven Mitgliedern der [katholischen] Kirche wie Kardenal König aus Wien und Kardenal Döpfner aus München. Später, im Jahr 1966, wird KIM von der Versammlung der Bischöfe in Deutschland und Österreich genehmigt und offiziel vom II Vatikanischen Konzil anerkannt.
  

Die Arbeit der Evangelisierung und Katechese wurde erneuert und die Liturgie in einem modernen Stil zelebriert. Die Musik, eine Form der Vermittlung zwischen dem Göttlichen und Menschlichen, fand in den rhythmischen Gesängen von Pater Leeb eine neue Ausdrucksform der Lobpreisung Gottes und die Gläubigen fühlten sich intensiver vom Glauben und der Liebe Jesus Christus berührt.

Pater Hubert Leeb, ein Mann des “guten Gefechtes”, besitzt diverse Talente: Schriftsteller, Musiker, Komponist, Sänger, Fotograf. 
  

Redebegabt, ist er in Österreich und Deutschland als einer der grössten religiösen Prediger geschätzt.

Er produzierte diverse Bücher, Video-Filme, Tonbänder, Schallplatten, Rundbriefe, Zeitschriften, Zeitungen, Karten, etc., die espirituellen Werte all´ denen näherbringend, die einen Sinn für ihr Leben suchen.

Einige der herausragenden Bücher seiner literarischen Produktion sind: “O Desafio da Fé – Santa Desobediência” (“Herausforderung des Glaubens – Im heiligen Ungehorsam”), “O que lhe desejo” (“Was ich Dir wünsche”), “Liturgia Popular para o Povo Carente: Viver com a Força da Fé – O Pão da Vida” (“Volksliturgie mit den Armen - Leben in der Kraft des Glaubens – Das Brot des Lebens”) und “A Força Invisível” (“Die unsichtbare Kraft”), alle von Videofilmen begleitet.
 

Weitere Videofilme wurden produziert, wie z. B.: “Porto do Mato – História e Resultados” (“Porto do Mato – Geschichte und Ergebnisse”), “Natal é vida que nasce” (“Weihnachten ist Leben, das wächst”), “Porto do Mato – Quem te viu, quem te vê” (“Porto do Mato – Einst und Jetzt”), “A Festa do Século – Uma Ponte de Fraternidade” (“Das Jahrhundertfest – Eine Brücke der Brüderlichkeit”) und die CD “Eu busco a Paz” (“Ich suche den Frieden”), zu Ehren des ägyptischen Presidenten Anuar Saddat, im Jahr 1977, anlässlich der Anerkennung des Friedensvertrages mit Israel.

In der Zeit von 1963 bis 1975 koordinierte er SIEBEN WELTWEITE ENTWICKLUNGSKAMPAGNEN, wie die erste Luftbrücke des Biafrakrieges, mit der Spende von 700 Tonnen Medikamenten und Nahrungsmitteln zur Rettung von 40.000 Kindern; die gleiche Menge wurde für die von den Napalmbomben verbrannten Kinder des Vietnamkrieges gespendet. Er erreichte die Mittel zur Finanzierung von Projekten für die Leprakranken in Äthiopien, die Notleidenden in Pakistan, Schwerbehinderte in Deutschland, den Unterhalt von fünf Missionszentren in Afrika und den Bau eines sozialen Zentrums und eines Kindergartens zur Unterbringung von 500 Kindern in Monte Claros, im Bundesland Minas Gerais - Brasilien.

Seine Sichtweise und seine Handlungen sind geprägt von der Gewissheit eines Menschen, der vom Glauben lebt. Die Erfahrung der extremen Seiten des Lebens - Geburt, Krieg, Tod und Schmerz – stellen ihn in permanente Verbindung mit Schicksalsschlägen und den menschlichen Unzulänglichkeiten. Deshalb ist er ein von tiefgreifenden inneren Erlebnissen und der Verkörperung der Spiritualität geprägter Mensch, mit dem Augenmerk immer auf die konkrete Realität gerichtet. Mit dieser Denkweise beschloss er 1976, dass Brasilien sein neues Wirkungsfeld sein würde.

In Rio de Janeiro angekommen, überraschte ihn die Schönheit der tropischen Landschaft, die einen Kontrast zur furchtbaren Armut, in erster Linie in den Favelas, darstellte. Hier begann die grosse Herausforderung, der er sich mit seiner neuen Mission in Brasilien stellen sollte.

Er entschied sich seinen Beitrag für die Menschen in der Favela do Vidigal zu leisten, unterstützt vom damaligen Bischof in Estância - Bundesland Sergipe, Dom José Bezerra Coutinho. Er baut das Gemeinschaftszentrum der Favela do Vidigal auf und entwickelt dort, im Zeitraum von 12 Jahren, eine konsequente sozial-kulturelle und erzieherische Arbeit und schaft das grösste Berufstheater der Favelas von Rio.

Die Zeitung “Jornal do Brasil” berichtete damals, dass die Arbeit dieses Zentrums dazu beigetragen hat den Drogenkonsum in der Favela um 30% zu senken. Das Projekt wurde 1992 dem Dritten Orden der Franziskaner übergeben.

Ununterbrochen kämpft er weiter und parallel zur Arbeit in der Favela do Vidigal, gründet er das sozial-pastorale Zentrum “Esperança de Deus” auf der Halbinsel Porto do Mato, im Hinterland des Bundeslandes Sergipe, unter dem religiösen Leitmotiv Mission: ”Licht und Leben.”

Heute, nach 26 Jahren unaufhörlichen Kampfes, sind die Ergebnisse fühl- und sichtbar: Der Ort Porto do Mato hat seine Geschichte der Vergangenheit entrissen, die Küstenregion Boa Viagem erfuhr eine einmalige Aufwertung und das Zentrum “Esperança de Deus” ist jetzt fast eine kleine Stadt, mit einer Infrastruktur die es ermöglicht, der Gemeinde die verschiedenartigsten Dienste in diversen sozialen und produktiven Einheiten anzubieten.

Den internationalen Austausch auf touristischer, künstlerischer und kultureller Ebene zu fördern war immer eine Kunst, die Pater Leeb meisterhaft beherrscht. Unermüdlich bringt er prämierte ausländische Orchester in das Bundesland Sergipe, sowie Unterstützer und bedeutende Persönlichkeiten aus dem sozialen, politischen, religiösen und kulturellen Bereich in Europa, die dieses Bundesland mittlerweile als eine der wichtigsten Referenzen in Brasilien betrachten. 
  

Jene, die mit Pater Leeb zusammenleben, betrachten ihn als ein “Bollwerk” in der Verwirklichung seines missionarischen Ideals und erkennen an, dass seine inneren Werte sein perfektestes Werk darstellen: Wegen seiner Ruhe und innerlichen Ausgeglichenheit. Wegen seines unabdingbaren Vertrauens. Wegen seines Engagements für all´ diejenigen ohne Stimme und Unterstützung. Wegen seiner Anteilnahme und Mitleids. Wegen seines ansteckenden Humors und seiner Fröhlichkeit. Wegen seiner Weitsichtigkeit und Kapazität zu verzeihen, selbst dann, wenn er vom Schmerz der Ungerechtigkeit und der Verleumdung gezeichnet ist.
 
Mit allem, was er erlebte und schon durchgemacht hat, erkannte Pater Leeb, dass die Befreiung des Menschen über die Errungenschaft der essenziellen Lebenswerte führt und als Mittelpunkt den christlichen Glauben hat. Die Erfahrungen seines 40-jährigen Priesteramtes, dessen Jubiläum in 2002 in Porto do Mato – Brasilien, in Österreich und in Deutschland gefeiert wurde, machten ihn dieser Wahrheit bewusst.

Diese Verpflichtung engagiert ihn in der Geschichte seiner Zeit mit einer Weltanschauung, die die Grenzen des Feststehenden und des “dèja vu” überschreiten, darum kämpfend, dass das spirituelle Wachsen nicht von einem sozial gerechten und würdigen Leben getrennt wird. Diese bahnbrechende Sichtweise führte zu Konfrontationen mit der Intoleranz derjenigen, die die Macht haben, wofür er bestraft wurde, ohne sich jedoch niederschlagen zu lassen auf Grund der Gewissheit, dass wir mit Gott stärker sind.

Das Werk von Pater Leeb ist Zeuge seines Vertrauens in Gott und die menschliche Brüderlichkeit.

Sein missionäres Ideal und sein Engagement für so viele Menschen in den verschiedenen Kontinenten steht im Einklang mit der Botschaft des Evangeliums:

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.

Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

                                  Mat 5,6-7;9


                                                                           
                                                                                 
                      
So ist Pater Hubert Leeb.

 


 

 

Prof. Geovana de Oliveira Lima
promoviert an der Kath. Universität (PUC)
Rio de Janeiro in Psychopädagogik und Sprachen 
Direktorin des Ausbildungszentrum " Licht und Leben P. Leeb" 
Porto do Mato/SE - Brazil